‘Prophet!’ said I, ‘thing of evil! — prophet still, if bird or devil!
By that Heaven that bends above us — by that God we both adore—
Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn,
It shall clasp a sainted maiden whom the angels name Lenore —
Clasp a rare and radiant maiden whom the angels name Lenore.”
Quoth the raven, ‘Nevermore.’






Poem: Edgar Allan Poe (1809-1849): The raven (1845).
Kawanabe Kyosai (1831-1889): Two Crows (between 1868 and 1872). Wood Block Color Print. New York, Brooklyn Museum.
Photo reblogged from:  camelionchild via archivalia.

‘Prophet!’ said I, ‘thing of evil! — prophet still, if bird or devil!

By that Heaven that bends above us — by that God we both adore—

Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn,

It shall clasp a sainted maiden whom the angels name Lenore —

Clasp a rare and radiant maiden whom the angels name Lenore.”

Quoth the raven, ‘Nevermore.’

Poem: Edgar Allan Poe (1809-1849): The raven (1845).

Kawanabe Kyosai (1831-1889): Two Crows (between 1868 and 1872). Wood Block Color Print. New York, Brooklyn Museum.

Photo reblogged from: camelionchild via archivalia.

Einmal noch den Abend halten
Im versinkenden Gefühl!
Der Gestalten, der Gewalten
sind zu viel.

Sie umbrausen den verwegnen Leuchter,
Der die Nacht erhellt.
Fiebriger und feuchter
Glänzt das Angesicht der Welt.

Erste Sterne, erste Tropfen regnen,
Immer süsser singt das Blatt am Baum.
Und die brüderlichen Blitze segnen
Blau wie Veilchen den erwachten Traum.

Erinnerung an den Sommer.

Klabund (1890-1928), Abdruck in: Tages-Anzeiger, 2012-12-05.

Will dir den Frühling zeigen, 

der hundert Wunder hat. 

Der Frühling ist waldeigen 

und kommt nicht in die Stadt.



Nur die weit aus den kalten 

Gassen zu zweien gehn 

und sich bei den Händen halten -

dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke (1875-1926), Sämtliche Werke. 1955.

Wenn wie ein leises Flügelbreiten
sich in den späten Lüften wiegt, -
ich möchte immer weiter schreiten
bis in das Tal, wo tiefgeschmiegt
an abendrote Einsamkeiten
die Sehnsucht wie ein Garten liegt.

Vielleicht darf ich dich dorten finden,
und zage wird dein erstes Mühn
die wehen Wünsche mir verbinden,
du wirst mich führen tief ins Grün -
und heimlich werden weiße Winden
an meinem staubigen Stabe blühn.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926), in: Erste Gedichte, 1. Auflage 1913.

Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird,
die Traurigkeit zu großer Stadt vergessen
und hingehn und uns an das Gitter pressen,
das von dem versagten Garten trennt.

Wer kennt ihn jetzt, der ihn am Tage traf:
mit Kindern, lichten Kleidern, Sommerhüten, -
wer kennt ihn so: allein mit seinen Blüten,
die Teiche offen, liegend ohne Schlaf.

Figuren, welche stumm im Dunkel stehn,
scheinen sich leise aufzurichten,
und steinerner und stiller sind die lichten
Gestalten an dem Eingang der Alleen.

Die Wege liegen gleich entwirrten Strähnen
nebeneinander, ruhig, eines Zieles.
Der Mond ist zu den Wiesen unterwegs;
den Blumen fließt der Duft herab wie Tränen.
Über den heimgefallenen Fontänen
stehn noch die kühlen Spuren ihres Spieles
in nächtiger Luft.

Rainer Maria Rilke (1875-1926): Wenn es wieder Mondnacht wird, in: Frühe Gedichte (Paris, 1902).
The water from its prolonged agitation is beaten, not into mere creaming foam, but into masses of accumulated yeast, which hangs in ropes and wreaths from wave to wave, and where one curls over to break, form a festoon like a drapery, from its edge; these are taken up by the wind, not in disspating dust, but bodily, in writhing, hanging, coiling masses, which make the aire white and thick as with snow, only the flakes are a foot or two long each; the surges themselves are full of foam in their very bodies, underneath, making them white all through, as the water is under a great cataract; and their masses, being thus half water and half air, are torn to pieces by the wind whenever they rise, and carried away in roaring smoke, which chokes and strangles like actual water.

Description of the sea under a heavy gale. In: John Ruskin (1819-1900): Beauty  and nature, New York, ca. 1858, p. 81 ff. (Hathi Trust).

Photo: Sunlight reflecting off the sea off Abermaw/Barmouth (Rudi Winter, 2010).

Among the cottages in Old Town are several that were given, for a consideration of £ 1000, by Fanny Talbot to John Ruskin and his Guild of St. George in 1874. These were to house the poor as part of Ruskin’s social experiment, outlined in his Fors Clavigera, that aimed to prevent the forment of revolution.
Barmouth - Some places of Interest (Heritagewales 2004).
 Henry Justice Ford (d. 1941): Illustration from the Pink Fairy Book by Andrew Lang: the Snow Queen takes Kay in her sledge.

Henry Justice Ford (d. 1941): Illustration from the Pink Fairy Book by Andrew Lang: the Snow Queen takes Kay in her sledge.

Noch fast gleichgültig

Noch fast gleichgültig ist dieses Mit-dir-sein…
Doch über ein Jahr schon, Erwachsenere, kann es vielleicht dem Einen,
der dich gewahrt, unendlich bedeuten:
Mit dir sein!

Ist Zeit nichts? Auf einmal kommt doch durch sie
dein Wunder. Daß diese Arme,
gestern dir selber fast lästig, einem,
den du nicht kennst, plötzlich Heimat
versprechen, die er nicht kannte. Heimat und Zukunft.

Daß er zu ihnen, wie nach Sankt-Jago di Compostella,
den härtesten Weg gehen will, lange,
alles verlassend. Daß ihn schon die Richtung
zu dir ergreift. Allein schon die Richtung
scheint ihm das Meiste. Er wagt kaum,
jemals ein Herz zu erhalten, das ankommt.

Gewölbter auf einmal, verdrängt deine heitere Brust
ein wenig mehr Mailuft: dies wird sein Atem sein,
dieses Verdrängte, das nach dir duftet.

Rainer Maria Rilke (1875-1926):Aus dem Nachlass.

Orpheus. Eurydike. Hermes

Das war der Seelen wunderliches Bergwerk.
Wie stille Silbererze gingen sie
als Adern durch sein Dunkel. Zwischen Wurzeln
entsprang das Blut, das fortgeht zu den Menschen,
und schwer wie Porphyr sah es aus im Dunkel.
Sonst war nichts Rotes.

Felsen waren da
und wesenlose Wälder. Brücken über Leeres
und jener große blinde Teich,
der über seinem fernen Grunde hing
wie Regenhimmel über einer Landschaft.
Und zwischen Wiesen, sanft und voller Langmut,
erschien des einen Weges blasser Streifen,
wie eine lange Bleiche hingelegt.
Und dieses einen Weges kamen sie.

Voran der schlanke Mann im blauen Mantel,
der stumm und ungeduldig vor sich aussah.
Ohne zu kauen fraß sein Schritt den Weg
in große Bissen; seine Hände hingen
schwer und verschlossen aus dem Fall der Falten
und wußten nicht mehr von der leichten Leier
die in die Linke eingewachsen war
wie Rosenranken in den Ast des Ölbaums.
Und seine Sinne waren wie entzweit:
indes der Blick ihm wie ein Hund vorauslief,
umkehrte, kam und wieder weit
und wartend an der nächsten Wendung stand, -
blieb sein Gehör wie ein Geruch zurück.
Manchmal erschien es ihm als reichte es
bis an das Gehen jener beiden andern,
die folgen sollten diesem seinen Aufstieg.
Dann wieder wars nur seines Steigens Nachklang
und seines Mantels Wind was hinter ihm war.
Er aber sagte sich, sie kämen doch;
sagte es laut und hörte sich verhallen.
Sie kämen doch, nur wärens zwei
die furchtbar leise gingen. Dürfte er
sich einmal wenden (wäre das Zurückschaun
nicht die Zersetzung dieses ganzen Werkes,
das erst vollbracht wird), müßte er sie sehen,
die beiden Leisen, die ihm schweigend nachgehn:

Den Gott des Ganges und der weiten Botschaft,
die Reisehaube über hellen Augen,
den schlanken Stab hertragend vor dem Leibe
und flügelschlagend an den Fußgelenken;
und seiner linken Hand gegeben: sie.

Die So-geliebte, daß aus einer Leier
mehr Klagen kam als je aus Klagefrauen;
daß eine Welt aus Klage ward, in der
alles noch einmal war: Wald und Tal
und Weg und Ortschaft, Feld und Fluß und Tier;
und daß um diese Klage-Welt, ganz so
wie um die andre Erde, eine Sonne
und ein gestirnter stiller Himmel ging,
ein Klage-Himmel mit entstellten Sternen - :
Diese So-geliebte.

Sie aber ging an jenes Gottes Hand,
den Schritt beschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.
Sie war in sich, wie Eine hoher Hoffnung,
und dachte nicht des Mannes, der voranging,
und nicht des Weges, der ins Leben aufstieg.

Sie war in sich. Und ihr Gestorbensein
erfüllte sie wie Fülle.
Wie eine Frucht von Süßigkeit und Dunkel,
so war sie voll von ihrem großen Tode,
der also neu war, daß sie nichts begriff.

Sie war in einem neuen Mädchentum
und unberührbar; ihr Geschlecht war zu
wie eine junge Blume gegen Abend,
und ihre Hände waren der Vermählung
so sehr entwöhnt, daß selbst des leichten Gottes
unendlich leise, leitende Berührung
sie kränkte wie zu sehr Vertraulichkeit.

Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau,
die in des Dichters Liedern manchmal anklang,
nicht mehr des breiten Bettes Duft und Eiland
und jenes Mannes Eigentum nicht mehr.
Sie war schon aufgelöst wie langes Haar
und hingegeben wie gefallner Regen
und ausgeteilt wie hundertfacher Vorrat.

Sie war schon Wurzel.
Und als plötzlich jäh
der Gott sie anhielt und mit Schmerz im Ausruf
die Worte sprach: Er hat sich umgewendet -,
begriff sie nichts und sagte leise: Wer?

Fern aber, dunkel vor dem klaren Ausgang,
stand irgend jemand, dessen Angesicht
nicht zu erkennen war. Er stand und sah,
wie auf dem Streifen eines Wiesenpfades
mit trauervollem Blick der Gott der Botschaft
sich schweigend wandte, der Gestalt zu folgen,
die schon zurückging dieses selben Weges,
den Schritt beschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.

Rainer Maria Rilke (1875-1926): Neue Gedichte, 1907.